Der Pfadi beim Palmstraussbinden unter die Arme greifen

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Auf chance-kirchenberufe.ch geben wir regelmässig Einblick in konkrete Berufswelten. Dieses Mal berichten Kerstin Wesner, Katechetin in Stans und Präses der Pfadi St. Rochus Büren-Oberdorf, zusammen mit Marino Bosoppi-Langenauer, dem Präses der Wölfli, über die Rolle der Präses beim Palmstraussbinden.

 

Donnerstag, 19.00 Uhr: Treffpunkt beim Pfadilokal

Pünktlich radle ich als Präses der Pfadiabteilung kurz vor sieben zum Pfadilokal. Komisch, nur ein Pio wartet dort. Dafür sehe ich einige abgestellte Velos und Töfflis. Kurz danach werde ich von der Abteilungsleiterin aufgeklärt. Ab Mittag sei der Pfadichat heiss gelaufen. Man entschied, sich wegen der voraussehbaren Dunkelheit früher zu treffen. Jugendarbeit ist eben sehr spontan und mit der heutigen Technik etwas für «flexible Kurzentschlossene». Dank dieser Technik konnten wir einen Leiter engagieren, uns drei abzuholen und zu einem Waldstück mit «potenziellen» Palmstrausszweigen zu bringen. Zu einem traditionellen Palmsträusschen gehören Hasel, Eibe, Föhre, Thuja, Stechpalme, Buchs und Wacholder. Die Abteilungsleitung bindet diese zusammen mit den Pios und Vennern. Am Palmsonntag werden diese Sträusse dann gesegnet und verkauft. So halten wir die Augen offen und erspähen schon bald die erste Stechpalme, die unbedingt zurückgeschnitten werden muss. Inzwischen vernehmen wir, dass ein Pio mit einer Verletzung schnell ins Spital gebracht wird. So eine nigelnagelneue Gartenschere schneidet eben gut, fast zu gut… Gott sei Dank, die Verletzung ist nicht allzu schlimm und die Firmreise nach Ostern ist nicht gefährdet.

Es wird nun immer dunkler und alle Beteiligten treffen sich beim Pfadilokal. Was für eine Ausbeute – doch alle Zweige sehen sehr ähnlich aus, Stechpalme in Massen, Hasel (gerade ausreichend) und ein kümmerliches Häufchen Eibe. Was jetzt? Ich erinnere mich an gute Freunde, die ganz sicher ein paar Äste ihrer Föhre und einiges anderes zu Verfügung stellen können. Ein Präses ist dazu da, seiner Abteilung unter die Arme zu greifen und sie zu unterstützen. Dankbar nehmen sie mein Angebot an.

 

Freitag, 13.30 Uhr

Also mache ich mich auf den Weg zu den befreundeten Bauernfamilien. Präses in dieser Abteilung bin ich erst seit einem Jahr. Vorher begleitete ich eine andere Abteilung, zuerst zusammen mit meinem Mann als Kochteam im Lager, später als Präses. Eigentlich hatte ich mit der Pfadi nichts am Hut. Ich stamme aus der ehemaligen DDR und absolvierte dort ein Studium zur Sozialpädagogin. Von meinem Mann wurde ich mit dem Pfadivirus «angesteckt». Als unsere Töchter immer älter wurden, suchte ich nach einer neuen Herausforderung. Schliesslich fand ich mit der neu aufgegleisten Ausbildung zur Katechetin Modu-IAK (nach ForModula) genau das Richtige. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erfüllt mich. Sie auf ihrem Glaubensweg zu begleiten ist sehr spannend und gibt auch mir viel zurück. Inzwischen bin ich auch in den Vorständen der Pfadi Unterwalden und des VKP (Verband Katholische Pfadi) aktiv. Die Sonne gibt alles und lädt nach dem Schnitt von Thuja, Eibe und Buchs auch zu einem Kaffee ein. Präses sein ist einfach schön…

 

Samstag, 13.00 Uhr

So, jetzt geht’s los. Diesmal erscheinen alle mehr oder weniger pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt. Die Präsenz eines Präses ist wichtig. Dranbleiben, sich ins Geschehen einbringen und Freudiges, aber auch Sorgenbereitendes miteinander teilen. Nur so erfahre ich, wie es läuft und welche Unterstützung notwendig ist. In unserer Abteilung teile ich mir diese Aufgabe des Präses mit Marino Bosoppi-Langenauer. Er steht vor allem den Wölfli mit Rat und Tat zur Seite. Wir arbeiten eng zusammen und so ist sicher immer ein Ansprechpartner da. Gleich zu Beginn der Übung werden kleine Texte für die Gestaltung des Gottesdienstes am Palmsonntag verteilt. Natürlich, es benötigt einige Überredungskünste, aber der Gottesdienst soll ja auch Pfadi erlebbar machen und so erklären sich auch schnell einige für diese Aufgaben bereit.

Bänke werden gestellt, kleine Zweige geschnitten, die Palmbäume mit Stechpalmblättern und Äpfeln bestückt. Innert Kürze sind 50 Sträusse gebunden. Auch Pause muss sein: essen, trinken, erzählen. Als Präses mit dem Pfadinamen Dolce habe ich natürlich einen Kuchen gebacken, der schnell in den Bäuchen verschwindet. Zum Schluss bleiben tatsächlich noch viele Palmstraussäste übrig. Wohin damit? Bevor wir es entsorgen, frage ich schnell bei meiner ehemaligen Abteilung nach, von der ich weiss, dass auch sie Palmzweige binden. Der Technik sei Dank: Sie sind dankbare Abnehmer. Das restliche Material wird also wieder eingeladen, zum Glück haben wir so ein grosses Auto. Bevor ich losfahre, drücken mir die Leiter noch eine riesengrosse Schachtel merci in die Hände. Ich bin gerührt. Und auf zur nächsten Pfadiübung, ein paar Worte mit diesen Leitern wechseln tut gut. Schliesslich liegt mir diese Abteilung als Kantonalpräses auch am Herzen.

 

Palmsonntag, 9.00 Uhr

Heute gilt es ernst: Texte proben, Pfadis begrüssen und auch Esel in Empfang nehmen, Fotograf (also meinen Mann) instruieren. Und schon geht’s los: der Einzug der Pfadis, umringt von vielen Einheimischen, auf dem Kirchenplatz. Es ist schön, wie diese Tradition am Palmsonntag ihren festen Platz hat und bei den Pfadis beim Verkauf der Sträusse die Kasse klingelt.

Fröhliche und zufriedene Gesichter bei strahlendem Sonnenschein, was will man mehr.

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