Die Tücken des berufsbegleitenden Studierens

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In regelmässigen Abständen präsentieren wir Impressionen und Einblicke aus dem Studium. So nehmen wir via Blog Anteil an den spannenden Erfahrungen, die junge Menschen in der Ausbildung zu einem Kirchenberuf machen. Heute schreibt Oliver Füglister, Religionspädagogik-Student in Luzern, über Langeweile im Unterricht.

Berufsbegleitend studieren - das klingt doch gut, nicht wahr?

Studiert jemand berufsbegleitend, liebt sie oder er das Risiko und riskiert, in einem ständigen Clinch zwischen Arbeitswelt und Arbeitstheorie aufgerieben zu werden. Denn was im Studium an Wissen oder Kompetenzen erworben wird, soll in die gleichzeitige Ausübung des künftigen Berufs eingebracht werden. Umgekehrt wirkt die Ausübung des künftigen Berufs auf die Auf- bzw. Annahme des Wissens und der Praxisanleitungen oder -übungen zurück.

Das muss frau/man aushalten können! Frustrationstoleranz ist gefragt. Ich weiss, das klingt nach einem Gemeinplatz. Ich will versuchen, diesen Gemeinplatz ein wenig auszuleuchten.

Persönlich kämpfe ich zurzeit sehr mit meiner Motivation. Das Unterrichten, das gemeindekatechetische Arbeiten in meiner Praxisstelle hat mich gepackt. Vom Typ her bin ich jemand, der schnell und in der Anwendung lernt. Und vieles in meinem neuen Beruf gelingt mir bereits gut; vieles erfahre und / oder erarbeite ich mir selbst. An der Universität hingegen kommt es immer häufiger vor, dass ich mich langweile, weil mir der Stoff oder das von den Dozenten Vermittelte als selbst-erklärend erscheinen: Schliesslich stecke ich schon voll in der Praxis.

Das macht es nicht ganz einfach: Denn ich brauche doch letztlich das Diplom, das Zertifikat des Studienabschlusses, um offiziell und zertifiziert arbeiten zu dürfen und können. Natürlich, wie bei vielen Quereinsteigern spielen auch bei mir viele andere Faktoren eine Rolle, etwa mein Pendeln zwischen drei Orten: meinem Lebensmittelpunkt, meinem Studienort und meinem Arbeitsort. Hinzu kommt die familiäre Situation: Wer Elternpflichten hat, geht anders mit der Zeit um als Singles.

Aber mir ist klar, Motivationsprobleme kommen in jedem Studium vor. Und bei einem berufsbegleitenden Studium ist der Kontrast zwischen dem Arbeitsalltag und dem Unterricht gegeben. Zum Glück gibt es an der Universität immer wieder Übungen und Vorlesungen, die Hergebrachtes in Frage stellen oder neue Perspektiven erschliessen und so neu motivieren.

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