Ein (fast) ganz normaler Tag

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5.30 Uhr

Ein Loblied auf meine Kaffeemaschine summend, taste ich mich durch die dunkle Wohnung in die Küche. Was würde ich tun ohne dieses Elixier aus den exotischen Bohnen? Es gab eine Zeit, da habe ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen gemacht über meinen fast schon exzessiven Kaffeekonsum, aber mittlerweile weiss ich, dass das ein gängiges kleines Laster unter Theologinnen und Theologen ist, und so trinke ich meine erste Tasse früh morgens mit viel Gelassenheit und Genuss. Dabei schwirren schon alle möglichen Gedanken in meinem Kopf herum: «Wann muss ich heute wohin? Was muss bis heute Abend erledigt sein? Was hätte bis heute Morgen erledigt sein müssen?» Es nützt alles nichts – ich muss jetzt in den Tag starten.

Sohnemann wecken – Lunch für Sohnemann einpacken – Betten, Lüften, Aufräumen – noch schnell in den Kalender schauen – Sohnemann verabschieden – Morgengebet, ein bisschen in der Bibel blättern und dann in gewohnter Hektik zur Busstation rennen.

Für die Zugfahrt habe ich mir einen Stapel Lektüre vorgenommen, aber der wunderschöne Sonnenaufgang über den Feldern hält mich vom Lesen ab. Einfach einmal die Gedanken schweifen lassen und die Natur bewundern. Das «Bärner-Bähnli» bietet wirklich wunderschöne Ausblicke. Wie kann man da widerstehen?

In Fribourg angekommen habe ich kaum etwas gelesen, also verschiebe ich das auf die Rückfahrt. Die Vorlesungs-Stunden vergehen wie im Flug und schon sitze ich wieder im Zug. Anstatt auf direktem Weg nach Solothurn führt mich die Reise zuerst nach Zürich. Seit einem halben Jahr bin ich Postulantin einer kleinen geistlichen Gemeinschaft und die monatlichen Treffen in der Hausgemeinschaft sind eine wahre Wohltat für Geist und Seele. So nehme ich die Strapazen gerne auf mich und mache von Zeit zu Zeit eine kleine «Tour de Suisse».

 

00.30 Uhr

Die Glieder sind schwer, der Geist nur noch benommen. Noch kurz beim Sohnemann hineinschauen – der schläft schon friedlich – und so darf auch ich endlich Feierabend machen. Morgen geht es dann wieder weiter… Auf den herrlichen Kaffee freue ich mich schon jetzt und auch darauf, dass der Tag gemütlicher wird. Die Beige mit den Pendenzen wird es mir danken.

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