Weshalb Martin Scorsese Priester werden wollte

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Meisterregisseur Martin Scorsese beschäftigt sich in seinem neuen Film «Silence» mit dem Leiden der Jesuiten im Japan des 17. Jahrhunderts. Die Religion beschäftigte den Autor von Kult-Filmen wie «Taxi Driver» oder «Goodfellas» von klein auf, wie er in einem Interview im Zürcher Film-Magazin «Frame» erzählt. Scorsese litt von Geburt an unter einem schlimmen Asthma. «Doch schon als Kind hatte ich gemerkt, wie mir das Kino und die Kirche halfen, mich zu entspannen. Diese beiden Orte gaben mir ein anderes Gefühl für die Zeit. Und sie boten eine Zuflucht vor der Strasse. Die Strassen waren schwierig.»

«Der Priester öffnete mir den Verstand und das Herz»

Martin Scorsese wuchs in Little Italy in Manhattan auf, ein hartes Pflaster. Aber: «Die Kirche zeigte mir eine Welt jenseits der harten Realität links und rechts. Ich war Messdiener, wollte Priester werden. Mit elf lernte ich einen jungen Priester kennen, gut zehn Jahre älter als ich, Italoamerikaner, ein grosser Filmfan. Dieser junge Priester öffnete mir das Tor zur geistigen Welt. ... Und er lehrte uns, Recht und Unrecht zu unterscheiden, lehrte uns, was sich gehört und was sich nicht gehört oder wie wir uns bei Konfrontationen auf der Strasse zu verhalten hätten. Der Priester öffnete mir den Verstand und das Herz. Wir sassen auf den Treppen zum Pfarrhaus und unterhielten uns über Klassiker wie «Die Brücke am Kwai» oder das monumentale Bibel-Epos «Das Gewand».

Besser könnte man nicht beschreiben, was für eine wichtige Rolle den Menschen zukommt, die sich beruflich in der Kirche engagieren und mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Scorsese, vom Asthma geplagt und aufgewachsen in einem von Gewalt geprägten Umfeld, findet in einem jungen Priester Halt und Haltung. Eine Haltung, welche die meisten seiner unzähligen Filme prägte, in denen er sich mit der Mafia, mit Strassengangs, mit den Exzessen der Finanzwelt oder auch der Religion auseinander setzte. Auch wenn Scorsese schliesslich nicht Priester wurde.

 

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