Zwischen Spirit und Stress

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Unter dem Titel «Zwischen Spirit und Stress» ist im Echter Verlag ein neues Sachbuch zu Kirchenberufen erschienen. Dazu haben Forschende von fünf Universitäten die grösste Umfrage unter Seelsorgenden durchgeführt. Mitgemacht haben 8'600 Priester, Diakone und weitere Seelsorgerinnen und Seelsorger. Die Umfrage wurde mit gezielten Einzelinterviews noch ergänzt und vertieft. So ist ein umfassendes Bild über die Ressourcen und Belastungen in den Kirchenberufen entstanden.

Die Umfrage wurde in 22 deutschen Diözesen durchgeführt und sie fokussiert auf die Lebens- und Arbeitszufriedenheit der Seelsorgenden. Im Zentrum stehen die Themenblöcke soziale Ängste, Spiritualität, Gesundheit, Bindungsstil, Einsamkeit und Sexualität. Erstaunt waren die Forschenden von der grossen Offenheit, mit der die Befragten auch über intime Gebiete Auskunft geben. So lag die Antwortquote bei 42%, was für Umfragen in dieser Grössenordnung ein ausserordentlich hoher Wert ist.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Lebenszufriedenheit von Seelsorgenden deutlich höher ist als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Und auch das Risiko für Burnout-Erkrankungen ist geringer als in vergleichbaren Berufsgruppen. Bei den Priestern ist das Zölibat ein wichtiger Faktor. Über die Hälfte der Befragten empfindet es als «besondere Herausforderung», auf genitale Sexualität, partnerschaftliche Bindung oder eigene Kinder zu verzichten. Die grosse Mehrheit kommt aber gut damit zu recht. So geben 75% der Priester an, dass sie gut bis sehr gut mit den daraus entstehenden Problemen fertig werden, und knapp 58% würden sich sofort wieder für die zölibatäre Lebensform entscheiden. Es gibt allerdings auch die andere Seite: 15% der Befragten empfinden das Zölibat als negativ und 12.5% kommen mit den Problemen nicht oder nicht gut klar.

Bei den Einzelinterviews zeigte sich, dass es bezüglich persönlicher Belastung grosse Unterschiede gibt. Hier kommt die Studie zum Schluss, dass viele Seelsorgerinnen und Seelsorger sich individuelle Strategien erarbeiten um mit der Belastung umzugehen. Trotz der hohen Belastung sind viele Seelsorgende aber sehr zufrieden mit ihrer Arbeit und betonen die sinnstiftende Tätigkeit als besondere Motivationsquelle.

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