Andreas Kaufmann leitet den Fachbereich Offene Jugendarbeit der Katholischen Kirche der Stadt Luzern und arbeitet auch als Jugendarbeiter in der Pfarrei St. Johannes in Luzern.
«Ich habe ursprünglich Möbelschreiner gelernt und auch gerne in dem Beruf gearbeitet. Ich spürte aber, dass ich noch etwas anderes brauche. Die Gewichtung stimmte letztlich nicht für mich. Meinen Zivildienst leistete ich bei der Stiftung Brändi in der Schreinerei. Dort erlebte ich, dass Holz zwar als Werkstoff wichtig ist, aber in erster Linie der Mensch im Zentrum steht. Da entschloss ich mich, mich beruflich zu verändern.
Mit der Berufsmatura fand ich einen guten Zugang zur Ausbildung als Soziokultureller Animator an der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern (Fachhochschule). 2012 konnte ich das Praxisjahr in der Pfarrei St. Johannes machen. Es war ein bereicherndes Jahr. Die Stelle wurde nach meiner Ausbildung und einigen Berufsjahren im Nachbarkanton zum Glück frei. Dass ich wieder hier arbeiten kann, ist für mich als Familienvater durch die relative Nähe zum Wohnort ideal.
Struktur ist sehr wichtig
Meine Arbeit braucht sehr viel Koordination. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass es manchmal schwierig ist, vor lauter Bäumen den Wald zu sehen. Ich muss sehr strukturiert vorgehen und die Angebote ordnen, damit sie wahrnehmbar werden. Das bedeutet, dass ich viel am Computer sitze – ein Fakt, der mir erst nach der Ausbildung bewusst wurde. Anders wie etwa bei einem Sozialarbeiter machen Gespräche nicht den Hauptteil meiner Arbeit aus. Ich nenne ein Beispiel aus der Praxis: Die Stadt Luzern beauftragte uns, im Rahmen der Stadt- und Quartierentwicklung Jugendliche nach ihren Bedürfnissen zu befragen. Meine Aufgabe ist es dabei, die Partizipation – also den Einbezug der Jugendlichen von der Planung über die Durchführung bis zur Auswertung – zu orchestrieren. Der effektive Kontakt zu den Jugendlichen macht dabei zeitlich den kleinsten Teil aus.
Direkte Rückmeldungen motivieren mich
Ausgleich in der Arbeit ist mir wichtig – und Höhepunkte, auf die man hinarbeitet. Vor einem Jahr zum Beispiel kam das Bedürfnis nach einem Pumptrack im Quartier auf. Dass das Projekt für einen mobilen Pumptrack ein grosser Erfolg wurde, verdankten wir zu grossen Teilen einer guten Vernetzung durch direkte Begegnungen an verschiedenen Orten und Anlässen im Quartier. Diese Vernetzung ermöglicht es uns dann, per Computer, Telefon, Handy und an Sitzungen die Planung voranzutreiben. Es braucht also beides: Den direkten Kontakt zu den Menschen und die Technik für die Planung und Verbindung.
Die direkten Rückmeldungen der Menschen sind für mich sehr wertvoll, egal ob positiv oder negativ. Das motiviert mich für die weitere Planung am Computer. Das ist die Mischung, die meinen Job so spannend macht: Planen, Umsetzen, Evaluieren. Das ist der Dreischritt, welcher mich systematisch begleitet.
Ich arbeite mit vielen verschiedenen Menschen: Da sind überaus aktive Jugendliche mit ihren ebenso aktiven Eltern, aber es gibt auch lethargische junge Menschen mit fast inexistenten Eltern. Mit beiden arbeite ich gern.
Ich bin Brückenbauer zwischen den örtlichen Vereinen, zum Beispiel der Pfadi und der Jubla: Da gibt es belebende Konkurrenz, und die Jungen versuchen dadurch auch immer neues zu bieten und zu entwickeln. Manchmal ist es eine Herausforderung, den Übereifer und das teilweise Gegeneinander in Bahnen zu lenken. Ich versuche dann das Miteinander zu betonen und zu stärken, zum Beispiel bei einem gemeinsamen Dankesanlass.
Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Ich bin Vater von drei Kindern und da ist mir ein naher Arbeitsort wichtig. Ich schätze auch die sehr flexible Arbeit – ich bin da mein eigener Meister. Ich arbeite viel zu Randzeiten, dann wenn die Jugendlichen keine Schule haben. Das gibt mir auch die Freiheit, einmal an einem Morgen daheim zu sein und mit den Kindern zu spielen.
Ich fühle mich sehr wohl in meiner Pfarrei und auch im Pastoralraum. Es passiert aber immer wieder, dass ich Arbeitsspitzen habe, die sich kumulieren, weil Vieles gleichzeitig los ist. Oft eröffnen sich Chancen, die viel zu tun geben, aber ich bin der Typ, der das sucht. In den Schulferien kann ich mein Pensum reduzieren und Überstunden abbauen. Dieses flexible Arbeiten schätze ich sehr. Gerade weil man in dem Job immer noch mehr machen könnte, ist es sehr wichtig, sich abzugrenzen. Aber das gelingt mir recht gut.
Ich liebe sowohl die Arbeit an der Basis wie auch die übergeordnete Ebene, wo ich gerne auch strategisch plane. Manchmal geht es zu wie in einem Bienenstock. Da ist es wichtig, dass ich mich dennoch auf etwas fokussieren kann. Mir ist wichtig, Zeit zu haben und voll da zu sein, wenn mich jemand braucht.»
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